Die Toten HosenEl*ke, New Model Army, Beatsteaks10.09.2005 (LTU-Arena, Düsseldorf)
Na, das war mal wieder ein Kontrastprogramm. Am
Freitag machten wir im Rahmen unseres
Betriebsausflugs eine Schnitzeljagd durch Köln
und lernten so im Rahmen der “Kölschen
Schmier” die Stadt besser kennen. Dafür
gab's am Samstag in der LTU-Arena beim Tote Hosen
Konzert eine gehörige Portion Düsseldorfer
Lokalpatriotismus. Mich als Niederrheiner lässt
das alles ziemlich kalt. Die Anreise zur Arena gestaltete sich über die Autobahn sehr einfach und schnell. Auf dem Parkplatz leichte Verwunderung, sollte das nicht Gebühren kosten? Aber an der Einfahrt wurde nicht kassiert und auf dem Parkplatz selbst eilten zwar Damen mit leuchtenden Westen und Geldtäschchen hin und her, aber obwohl ich noch rund 10 Minuten an meinem Wagen stand, sprach mich keine an. Mich hat's ja nicht gestört, dass ich umsonst parken durfte, aber das nur bei manchen Leuten kassiert wurde fand ich schon seltsam. Eigentlich wollte ich mich mit einer guten Freundin (die auch die Karten besorgt hat, vielen Dank) am Eingang treffen, aber das war garnicht so einfach. Sie kam mit der U-Bahn und befand sich scheinbar auf der anderen Seite der Halle. War garnicht so einfach überhaupt eine Standortbestimmung vorzunehmen, denn leider sind die Seiten, bzw. die Eingänge der Halle nicht wirklich oder zumindest nicht gut sichtbar beschriftet. Bei anderen Arenen weiß man genau, okay, ich stehe hier am Südwesteingang. Jedenfalls waren wir an gegenüberliegenden Enden der Halle und da in der Nähe der Halle sämtliche Durchgänge abgesperrt waren, war ein riesiger Umweg notwendig, bis wir endlich zueinander gefunden haben. Ärgerlich, eigentlich sollte es möglich sein, einmal um die Halle rum zu gehen. Um 15:10 standen wir endlich in der recht kurzen Schlange am hinteren Eingang und gegen 15:13 durften wir die Halle stürmen. Wir schafften es bis vor den ersten Wellenbrecher, meine Begleiterin platzierte sich sogar in der ersten Reihe. Nachdem wir also die Plätze mehr oder weniger gesichert hatten machte ich mich auf die Suche nach einem Klo. Am Ausgang des Wellenbrechers gab's ein gelbes Bändchen, mit dem man später auch wieder hinein durfte. Blöd nur, das von den Bändchen viel zu wenige da waren und der Vorrat bereits vor der ersten Band aufgebraucht war. Schon seltsam, die Leute, die vor die Wellenbrecher durften wurden abgezählt. Warum waren keine Bändchen in gleicher Menge vorhanden?? Also hieß es für viele, entweder nach hinten gehen, oder den Harndrang bis zum Ende des Konzerts unterdrücken. Auch die Versorgung vorne war etwas unausgewogen. Es gab Bretzeln, Eis und Bier. Nichtalkoholische Getränke? Fehlanzeige! Vielen Dank im Namen aller Autofahrer und jener, die aus anderen Gründen einfach keinen Alkohol trinken wollten. Okay, in der ersten Reihe wurde später von den Securities Wasser verteilt, aber das kam nur selten in den hinteren Reihen an. Ach ja, eigene Getränke durfte man mitnehmen, jedenfalls 0,5 Liter. Dabei sollten aber (laut Homepage) die Plastikflaschen am Eingang aufgeschraubt und der Verschluss weggeworfen werden. Auch seltsam, sooo gefährlich sind verschlossene PET Flaschen nun auch nicht.
Wo war ich? Ach ja, auf dem Weg zum Klo. Der war am
Ausgang des Wellenbrechers ausgezeichnet, sie hatten
extra ein großes Schild auf die Absperrung
geklebt. Folgte man diesem Schild, musste man
allerdings feststellen, das die Klos geschlossen
waren und man wurde stattdessen auf die Dixiklos in
der Mitte der Halle verwiesen. Aber schon toll so ein
Wegweiser ins Nichts.
Um 17:30 Uhr startete mit einer Viertelstunde
Verspätung die erste Vorband. Wie üblich
übernahm Campino selbst die Ansage. El*ke aus
Berlin spielten recht schnelle, aggressive und doch
melodische Musik, irgendwo zwischen Hardrock und Punk
mit deutschen Texten. Die Gitarrenarbeit hat mir sehr
gut gefallen, mit dem Gesang konnte ich
persönlich nicht ganz so viel anfangen, aber das
war wirklich Geschmackssache. Auf jeden Fall ist es
ihnen gelungen einen ersten kleinen Pogopulk zu
mobilisieren. Erwähnen sollte man vielleicht
noch das Lied über die 93 jährige Oma des
Schlagzeugers...
In der ersten Umbaupause machte ich mich wieder auf
den Weg in den hinteren Bereich der Halle, um uns mit
Lebensmitteln einzudecken. Die Preise für
Nahrung und Getränke waren sehr fair. Für 3
Euro bekam man ein riesiges Schinken Käse
Baguette, für 2,50 eine große
Laugenbretzel. Getränke kosteten durchweg 3 Euro
für 0,4 Liter, dazu kamen 2 Euro Pfand für
die recht schönen und stabilen Becher mit Hosen
Logo. Für den Preis auch ein sehr nettes
Sammlerstück, das man gern mit nach Hause nimmt.
Zurück zur Musik. Die zweite Vorband waren New
Model Army. Ihre Musik ist mir manchmal etwas zu
ruhig und eintönig, aber bei ihren Songs finden
sich auch viele echte Perlen. Im allgemeinen mag ich
ihren alternative Rock mit ganz leicht folkigem
Einschlag. Obwohl ich nur 2 CDs von ihnen kenne,
waren doch einige bekannte Songs dabei. Erinnern kann
ich mich heute noch an “Here comes the
war”, “Stupid Questions”, “I
Love The World” und natürlich “51st
State”. Von der neuen CD spielten sie noch
“Island”, das Justin (auf deutsch!) mit
den Worten ansagte: “Ich weiß, wie ihr
Deutschen und Engländer nennt: Inselaffen. Und
es stimmt!”
Dritte Vorband war, laut Campino, die beste Band
Berlins, die Beatsteaks. Die hatten sehr viele Fans
im Publikum und der Pogopulk war bereits bedeutend
größer. Ich hab mich mal ein wenig am
linken Rand mittreiben lassen.
In den Umbaupausen lief übrigens sehr
schöne alternative Rock und Punkmusik über
die Lautsprecher. Bei “Three Lions (Football's
Coming Home)” und “We Will Rock
You” hat sich das Publikum schonmal warm
gesungen. Sehr faszinierend fand ich auch die Frau,
die sich nicht für eine Haarfarbe entscheiden
konnte und deshalb die rechte Hälfte ihrer
langen Mähne schwarz und die linke Hälfte
blond trug.
Ziemlich pünktlich um 21 Uhr gab's erstmal etwas
russische Musik, inklusive Kalinka, bei der die Hosen
Flaggen gehisst wurden. Auch im Publikum hatten sich
an strategischen Punkten Fahnenschwenker verteilt,
ein beeindruckendes Bild. Dann betraten die Toten
Hosen die Bühne und eröffneten mit
“Auswärtsspiel” ihr Heimspiel. Bis
Mitternacht gab's mit insgesamt 4 Zugaben ein paar
neue Sachen und viele, viele alte Hits. Mich hatte es
mittlerweile an den hinteren, mittleren Rand
verschlagen, wo ich kräftig mitgefeiert habe.
Gespielt haben sie “10 kleine
Jägermeister”, “Friss oder
Stirb”, “Wünsch dir was”,
“Ich bin die Sehnsucht in dir”,
“Alles wird vorübergehen”,
“Freunde”, “Bonnie & Clyde”,
“Schön sein”, “Niemals einer
Meinung”, “Alles aus Liebe”,
“Song 2” und “All die ganzen
Jahre”. Letztes Lied vor der ersten Zugabe war
“Schönen Gruß, Auf
Wiedersehen”. Außerdem spielten sie ein
Weihnachtslied aus Südamerika, ein Lied
über den Schnee in Argentinien: “Cocaine
In My Brain”. Und natürlich einen ihrer
Klassiker aus dem Jahre 1812: “Hier kommt
Alex”. Da würde mich mal die
Dudelsackversion interessieren. Bei “Paradies” ist Campino bis unters Hallendach geklettert und hat dort eine rote Fackel entzündet. Zu “Eisgekühlter Bommerlunder” ist er wieder runtergeklettert. Bei “Blitzkrieg Bop” durfte Voms Papa singen und Campino hat das Schlagzeug bedient. Bei “Should I Stay Or Should I Go” kam nochmal Arnim von den Beatsteaks auf die Bühne. Zum “Waltag” schwammen aufblasbare Wale und ein Delphin über das Publikum.
Bei “1000 Gute Gründe” gab es
Sprüche wie “Es kann nicht sein, dass das
Kanzlerin wird”, “Wahl zwischen Not und
Elend” und “noch schlimmeres
verhindern.” Im Hintergrund flimmerten
Ausschnitte von Wahlplakaten über die Leinwand.
Alte Privatvideos der Hosen gab's bei “Helden
und Diebe” und Ausschnitte aus einem
legendären Fussbalspiel der Fortuna gegen
Bayern, das die Fortuna mit 7:1 gewonnen hat gab's
bei “Bayern”. “Pushed Again”
widmete Campino den Familien und Freunden der Bands,
dabei vergass es aber fast alle Namen. Na ja,
dafür hat er diesmal alle Liedtext hingekriegt.
Emotionalster Moment war das Gedenken an das 1000ste Konzert, bei dem vor einigen Jahren im alten Rheinstadion, also an gleicher Stelle, ein 16 jähriges Mädchen im Gedränge zu Tode kam. “Nur zu Besuch” wurde ihr und ihrer Familie gewidmet und das komplette Publikum kniete sich andächtig hin. Bei diesem Lied muss ich immer an die Menschen denken, die ich in meinem Leben verloren habe, ich denke es geht vielen so. Sehr ergreifend. Mit “Steh auf, wenn du am Boden bist” fanden Publikum und Band danach langsam wieder aus der traurigen Stimmung heraus. Als letztes Lied wurde “You'll Never Walk Alone” gespielt, bei dem die Fahnenschwenker wieder zum Einsatz kamen. Zum Abschluss versammelten sie sich sogar alle auf der Bühne und über das Publikum ging ein rot-weißer Konfettiregen nieder. Ein wunderschönes Abschluss für ein fantastisches Konzert. Auf dem Weg nach draußen kamen wir an der riesigen Putzkolonne vorbei im gang standen jedenfalls dutzende von Leuten mit Besen an der Wand aufgereiht. Ein Heimspiel T-Shirt hab ich mir auch noch gegönnt. Und nach einem kleinen Picknick auf dem Parkplatz erreichten wir in nur 5 Minuten die Autobahn. Das übliche Verkehrschaos hielt sich also sehr in Grenzen diesmal. Alles in allem ein super Konzert, nur die Organisatoren haben noch ein paar Hausaufgaben zu machen. |