Tja, das war sie also, meine Rückkehr zur Festung
Ehrenbreitstein. Diesmal nicht als Tourist, sondern als
Festivalbesucher. Die Anfahrt gestaltete sich
äußerst unproblematisch. Keine Staus, kein
Verfahren, kein Stress. Und obwohl vorher davor gewarnt
wurde, dass die Parkplätze sehr begrenzt seien, war
auf der Wiese vor der Festung noch ausreichend Platz und
die freundlichen Ordner wollten noch nicht einmal Geld von
uns haben. Sehr schön.
Als Festivalgelände war ein Seitenarm der Festung hergerichtet worden. Nachdem wir die Sercurities passiert hatten, gelangten wir zunächst in eine kleine Zeltstadt, die zwischen den mächtigen Mauern der Festung aufgebaut war. Neben den vielen Händlern, die den üblichen Schmuck, Kleidung, Wandbehänge und ähnliches anboten gab es natürlich auch einige Fressbuden und eine größere, mit Teppichen und Wasserpfeifen ausgelegte Fläche.
Die Bühne befand sich am anderen Ende des Geländes und füllte fast die komplette Breite zwischen Außenmauer und innerer Mauer aus. Dadurch lag die Bühne schon am Nachmittag größtenteils im Schatten der Mauer, was den Lichttechnikern zugute kam.
Die Fläche zwischen den Mauern ist in der Festung
größtenteils grasbewachsen, was bei trockenem
Wetter sehr angenehm und fußschonend ist.
Mit dem Wetter hatten
wir übrigens großes Glück, es war recht
warm und am Himmel war kein Wölkchen zu sehen.
Erste Band des Tages waren Merlon's Lichter. Die habe ich vor vielen Jahren einmal als Vorband von Subway to Sally gesehen. Irgendwie hatte ich die Musik als sehr ruhig, durchaus angenehm, aber auch ein wenig langweilig in Erinnerung. Nun, diesmal haben sie wesentlich mehr aufgedreht. Das ganze war eine gelungene Mischung aus Drehleier, Tröten und E-Gitarren. Irgendwie kam die Musik recht mystisch, spirituell und doch sehr druckvoll daher. Besser kann ich es grad nicht beschreiben. Mir hat's ganz gut gefallen und es hat auf jeden Fall zu den anderen Bands gepasst und war eine schöne Eröffnung für das Festival.
Als zweites betraten ein paar gute, alte Bekannte aus
Finnland die Bühne. Korpiklaani sorgten mit
bewährtem Humpa-Folk-Metal für ordentlich
Partystimmung. Es wurde wieder gehüpft, geklatscht und
gefeiert. Hach, irgendwie krieg ich bei den Jungs immer
gute Laune.
Bei den Liedern tue ich mich mal wieder
recht schwer, vor allem bei den finnischen Liedern kann ich
mir die Titel einfach nicht merken. Auf jeden Fall gespielt
haben sie aber „Wooden Pints“, „Hunting
Song“, „Beer Beer“, „Happy Little
Boozer“ und „Korpiklaani“. Die einzelnen
Bandmitglieder wanderten auch später noch über
das Festivalgelände, der Gitarrist saß einige
Zeit sogar neben mir und mir ist es erst garnicht
aufgefallen. Aber das mit dem Laufen wurde im Laufe des
Abends scheinbar immer schwieriger. „Beer Beer“
eben.
Als nächstes war die Letzte Instanz dran. Leider
fehlte einer der beiden Hollys und lag mit Fieber im Bett.
Dadurch fehlte die zweite Gesangsstimme aber die Band hat
trotzdem ein grandioses Konzert abgeliefert. Die Stimmung
war klasse und der Sänger hat wieder sein ganzes
Charisma in seine Stimme gelegt. Dadurch hatten Lieder wie
„Kopfkino“ und „Jeden Morgen“
wieder einen ordentlichen Gänsehautfaktor.
Eröffnet haben sie aber mit „Unerreicht“
und „Sonne“. Überhaupt gab's recht viel
von der neuen CD zu hören, aber auch ein paar
Klassiker waren dabei. Im Enzelnen: „Ohne
Dich“, „Tanz“, „Kalter Glanz“
und „Das schönste Lied der Welt“.
Außerdem gab's als Zugabe noch „Das
Stimmlein“ und nachdem das Publikum laut eine ganze
Weile lang „Rapunzel“ gerufen hatte, lies sich
die Band überreden auch dieses Lied zu spielen,
inklusive einer kleinen Jazzeinlage. Ich hatte wirklich das
Gefühl, sie wollten ursprünglich etwas anderes
spielen. Was es war, werden wir wohl nie erfahren, denn
eine weitere Zugabe wurde ihnen aus Zeitgründen leider
verwehrt.
Der Tag schritt voran, die Sonne versank langsam, es wurde
kühl und wir holten unsere Mäntel aus dem Auto.
In diesem Zwielicht betraten ASP die Bühne und
eröffneten direkt mit ihrer neuen Single “Ich
bin ein wahrer Satan“. Zwischen dem Sänger und
dem Schlagzeug hatten sie eine große Feuerwand
aufgebaut, die während des ganzen Konzerts immer
wieder meterhoch aufloderte. Sehr beeindruckend und
stimmungsvoll. Der Sänger glänzte erneut mit
seiner sehr ausdrucksstarken Mimik und Gestik. Die
Songauswahl hat mir sehr gut gefallen, ich hatte vier
Lieder auf meiner persönlichen Wunschliste und sie
wurden alle gespielt! Und auch die restlichen Stücke
gehören fast ausnahmslos zu meinen Lieblingen.
Gespielt wurden:
„Besessen“, „Sing child“,
„She wore shadows“, „Weltunter“,
„Stille der Nacht“, „Demon Love“,
„Lykanthropie (Es tobt ein Krieg in mir)“,
„Tiefenrausch“, „Schwarzes Blut“,
„Und wir tanzen (ungeschickte Liebesbriefe)“
und „Werben“. Zum Abschluss gab es
natürlich „Ich will brennen“. Neben der
Feuerwand schossen auch noch drei mächtige
Feuersäulen am vorderen Bühnenrand in die
Höhe und zum Finale gab es sogar noch ein kleines
Feuerwerk. Wow! Geil! Super! Einfach nicht zu toppen, so
muss ein ASP Konzert aussehen!
In der letzten Umbaupause stürzten wir uns dann doch noch auf die Fressbuden, nach dem vielen Hüpfen, Headbangen und auch einfach nur Herumstehen meldeten sich doch so langsam unsere Mägen. Gebratene Champignons waren leider schon aus und so entschieden wir uns für Flammkuchen. Die waren mit 4,- Euro recht bezahlbar und ziemlich lecker. Überhaupt waren die Preise sehr moderat, eine 0,2er Cola gab's schon für einen Euro.
Die letzet Band, Tiamat, kannte ich überhaupt nicht.
Ich hatte vorher einmal kurz im Internet in ein paar
Liedschnippsel hereingehört und dort machten sie einen
recht harten Eindruck mit grunzigem Gesang. Live entpuppten
sie sich aber als eine gute, solide Gothicrockmetalband mit
klarem Gesang.
Mir haben sie gut gefallen, aber nach meinen drei
Lieblingen Korpiklaani, Letzte Insanz und ASP konnten sie
mich nicht mehr so ganz mitreißen. Da ich sie nicht
kannte, kann ich leider auch nicht sagen, welche Lieder sie
gespielt haben, einzig „Sleeping Beauty“ kann
ich nennen, es wurde als eine der Zugaben gespielt und war
das einzige Lied, das meine Begleiterin kannte und auf das
sie die ganze Zeit gewartet hat.
Auf dem Weg zum Auto hörten wir noch einige Lieder der Aftershowparty. Bei Subway to Sally, Blackmore's Night, Schandmaul und anderen hätten wir uns sicherlich noch sehr wohl gefühlt. Aber der Weg zurück bis nach Köln war noch weit...
Was soll ich sagen ein perfekter Tag mit perfektem Wetter, klasse Bands und einem gut organisierten Festival. Danke Koblenz, ihr habt da eine echte Konkurrenz zum Castle Rock hinbekommen, mein Kompliment!