Nachdem wir ja nun endlich einmal in Schottland waren und
nachdem wir auf unserer Reise viel schottische Musik
gehört haben, war es ja klar, dass wir uns Runrig auch
einmal live ansehen würden. Wir hätten das
natürlich hier in Köln tun können, aber das
wäre eigentlich zu einfach gewesen. Stattdessen haben
wir uns lieber Karten für das Konzert in Esslingen bei
Stuttgart besorgt. Der große Vorteil dabei, das
Konzert fand auf einer wunderschönen, alten Burg
statt.
Angereist sind wir bereits einen Tag vorher. Und schon in Karlsruhe sind wir in ein heftiges Gewitter geraten. Wir konnten nur hoffen, dass das kein böses Omen wird. Unser kleines Hotel haben wir gut gefunden, auch wenn die Zufahrtsstraße äußerst schmal und einspurig war und direkt am Berghang lag. Nichts gegen eine schöne, schottische Single Track Road, aber das war uns dann doch etwas zu eng. Zum Glück gab's von der anderen Seite eine deutlich kürzere Zufahrtsmöglichkeit, wie uns unser Gastgeber informierte. Das Zimmer war sehr groß und gemütlich, der Fernseher hatte sogar Satellitenempfang. Und obwohl das Hotel eher klein war, war die Auswahl beim Frühstück groß und das Essen lecker.
An unserem ersten Abend haben wir uns in Stuttgart das Musical „Die drei Musketiere“ angesehen. Sehr schön gemacht, gute Musik (aber keine richtigen Ohrwürmer) und stellenweise auch sehr lustig. Muss man nicht unbedingt gesehen haben, aber es ist auf jeden Fall sehr gute Unterhaltung, uns hat's Spaß gemacht.
Am zweiten Tag haben wir nicht viel unternommen, weil wir Beine und Rücken für das Konzert am Abend schonen wollten. Gegen Mittag zogen ein paar süße, flauschige, weiße Wolken vorbei. Gefolgt von nicht mehr süßen, großen, schwarzen Wolken. Ein heftiger Wind kam auf und es begann kräftig zu regnen. Zum Glück nur für eine Stunde, danach erschien die Sonne wieder. Und wir sollten Glück haben, denn für den Rest des Tages blieb es sonnig. Es waren zwar immer noch einige Unterwegs, aber bis auf fünf weitere Tropfen am späteren Abend fiel kein Regen mehr.
Auf unseren Karten stand leider nicht, wann Einlass sein sollte, wir schätzten aber grob, dass es wohl gegen 18 Uhr losgehen würde. Wir parkten also ein Weilchen vorher in der Nähe der Burg und besorgten uns ein kleines Abendessen. Danach liefen wir den Rest des Weges zu Fuß.
Plötzlich hörten wir aus der Ferne „The Ocean Road“ und im ersten Moment dachte ich noch, es sei ein Auto, dass das Radio zu laut aufgedreht hatte, aber schnell wurde klar, die Musik kam von der Burg, die Band war gerade beim Soundcheck und spielte ein paar komplette Lieder durch. Gegen 17:30 Uhr hatten wir uns in der Warteschlange, die zum Glück noch nicht all zu lang war, eingereiht und durften noch „Clash Of The Ash“ und „Maymorning / Alba“ lauschen. Die Stimmung unter den Wartenden war entsprechend gut und über die Köpfe hinweg konnte ich schon einen ersten Blick in den Burghof werfen.
Natürlich begann der Einlass nicht pünktlich, aber gegen 18:15 Uhr wurden wir dann in den Burghof vorgelassen. Die Sicherheitskontrollen waren sehr gründlich. Um so erstaunter war ich später Leute mit großen Plastikwasserflaschen und sogar Glasflaschen zu sehen. Keine Ahnung, warum sie die mit rein nehmen durften, sehr ungewöhnlich. Besonders geärgert habe ich mich, weil ich meine kleine Kamera nicht dabei hatte, es war mir einfach zu unsicher, weil ich nicht wusste, ob ich sie mitnehmen durfte und ich auch nicht zum Auto zurück laufen wollte, falls es nicht erlaubt gewesen wäre. Außerdem war das unsichere Wetter noch so ein Faktor...
Nun ja, wir sind also gleich nach vorne gestürmt und
haben es noch vor den Wellenbrecher geschafft.
Am Ende standen wir sehr entspannt
in der fünften oder sechsten Reihe. Hier hätte
ich wirklich schöne Fotos machen können. Ich hab
dann immerhin zwischendurch mal mein Handy gezückt und
damit ein wenig geknipst, aber die Kamera liegt noch im Sub
Megapixel Bereich und die Qualität ist entsprechend
bescheiden.
Der Burghof war sehr schön, mit einer großen grünen Wiese bewachsen. Von der Bühne weg stieg der Boden leicht an, man müsste also auch von weiter hinten eine gute Sicht gehabt haben. Das ganze Setting war einfach wunderbar, die dicken Burgmauern, die großen Türme, alles passte perfekt zu einer Folkrockband.
Ich verließ noch einmal kurz den Bereich vor der
Bühne um ein paar Getränke zu besorgen,
schließlich war es in der Sonne doch ziemlich warm
geworden. Beim Verlassen des Bereichs vor dem Wellenbrecher
gab es kleine Kärtchen, die man bei der Rückkehr
wieder abgeben musste.
Eigentlich sehr praktisch. Bei der sonst
üblichen Technik mit den Bändchen sind ja fast
immer zu wenige da. Etwas seltsamer war die Technik bei den
Bechern, hier gab es zusätzliche Pfandmarken. Es
reichte also nicht, den Becher unbeschädigt
zurück zu bringen, man mußte auch noch einen
kleinen Chip einlösen. Vermutlich wollten sie
verhindern, dass man heimlich billige Becher einschmuggelt
und versucht, sich am Pfand zu bereichern.
Weil
wir noch über eine Stunde Zeit hatten, haben wir uns
mit unseren Getränken auf den Rasen gesetzt, der trotz
des Gewitters am Mittag wieder total trocken war.
Gegen 19:30 Uhr legte dann die Vorband los. Dass heißt, zunächst legte nur der Sänger los und zwar am Klavier. Ich fand's eigentlich ganz schön und wurde hin und wieder ganz vage an Grönemeyer erinnert. Beim zweiten Lied kam dann auch der Rest der Band dazu, jedenfalls der Teil, der da war, angeblich fehlten ein paar Leute, weswegen sie ein reduziertes Unplugged Set spielten. Neben dem Klavier gab es noch eine akustische Gitarre und eine Holzkiste, auf der getrommelt wurde. Ein wenig erinnerte mich der Stil an Stoppok und Rio Reiser, jedenfalls spielten sie recht angenehmen deutschen, alternativen Rock. Für Runrig vielleicht nicht die optimale Vorband, aber ich fühlte mich ganz gut unterhalten.
Die Umbaupause war in rund fünfzehn Minuten erledigt. Jedenfalls sah es so aus. Danach passierte erstmal nichts. Auf der großen Leinwand hinter der Bühne wurden hektisch die Einstellungen für den Beamer durchgeschaltet und zwischendurch tauchte sogar mal ein Windows Logo auf. Technische Probleme? Keine Ahnung, beim Konzert selbst hat der Beamer jedenfalls funktioniert.
Gegen 21 Uhr betrat endlich Bruce mit einer akustischen
Gitarre behangen die Bühne und los ging's mit
„Year Of The Flood“.
Der Sound war
gut, die Stimmung im Publikum klasse. Mit „Beat The
Drum“ folgte auch gleich der erste Klassiker und bei
„Road Trip“ kam zum ersten Mal die Leinwand zum
Einsatz. Gezeigt wurde im Zeitraffer eine Autofahrt
über schottische Landstraßen, teilweise Single
Track und mit Gegenverkehr.
Ich glaube wir haben beide ganz gebannt auf die Leinwand
gestarrt und an unseren Urlaub zurück gedacht.
*träum*
Bei „The Ocean Road“ kam richtiges
Gänsehautfeeling auf, ein wirklich schönes Lied.
Zu Proterra gab es Bilder vom Ozean mit schottischen Inseln
am Horizont. Es folgten „An Toll Dubh“,
„Sona“ und „The Engine Room“. Der
verwendete Dudelsack war sehr ungwöhnlich. Eigentlich
handelte es sich nur um die kleine
„Flöte“, auf der die Melodie gespielt
wird. Diese „Flöte“war an einen Schlauch
angeschlossen, der irgendwo im Schatten verschwand. Der
eigentliche Sack und die Pfeifen fehlte. Trotzdem war der
Sound klasse. War wohl eine Art E-Dudelsack, sowas hatte
ich vorher noch nicht gesehen. Etwas schade fand ich, dass
der Gitarrist auch Dudelsack gespielt hat, dadurch gab es
immer nur das eine, oder das andere Instrument und viele
Melodien wurden der Einfachheit halber nur auf der
E-Gitarre gespielt.
Aber
das hat den Liedern nicht wirklich geschadet, sie kamen
alle immer noch erstklassig rüber.
Weiter ging's mit „Every river“ und einem
Medley aus „Alba“ und „Maymorning“.
Zum Finale von „A Reiteach“ schnallten sich
gleich vier der Musiker große Trommeln vor den Bauch
und sorgten ordentlich für Stimmung. Mit „In
Scandinavia“ ging ein Gruß rüber, nach
Dänemark. „Stamping Ground“ funktioniert
auch live wunderbar, man kann den Refrain so wunderbar
mitsingen. „Clash Of The Ash“ ist sowieso ein
gute Laune Lied und auf der Leinwand waren alte Szenen auf
einem Hockeypspiel zu sehen.
Mit „Skye“ wurde es noch einmal
etwas ruhiger und „Hearts Of Olden Glory“
markierte das Ende des Hauptteils. Herrlich! Die Stimmung
war sehr gut, die Band hatte auch Spaß, die beiden
Jungs haben sehr gut gesungen und das Publikum hat
schön mitgefeirt.
Die erste Zugabe eröffnete der Keyboarder ganz alleine mit „Something's Got To Give“, für mich auch ein absoluter Gänsehauttitel. Zusätzlich gab es noch „Protect And Survive“.
Für die zweite Zugabe wurde extra ein großer Hocker in die Mitte der Bühne gestellt. Malcolm betrat mit seiner Gitarre die Bühn, ignorierte den Hocker völlig, und stellte sich auf seinen üblichen Platz. Dort spielte er „On The Edge“ ein wunderschönes, atmosphärische Gitarrenstück. Auf der Leinwand liefen dazu atemberaubende Bilder der schottischen Highlands ab. In einer Sequenz jagte eine große Herde Hirsche über einen Bergrücken. Wahnsinn! Da fehlte am Ende eigentlich nur noch die Einblendung „Schottlandreisen buchen Sie am besten bei...“ Echt fies, ich will wieder zurück in die Highlands!!!
Zum Abschluss wurde „Loch Lomond“ gemeinsam
zelebriert und als ich gerade dachte, es sei leider schon
vorbei, gab es noch „Book Of Golden Stories“
als Nachschlag.
Nach dem Konzert sind wir noch zum Merchandise Stand geganen und haben ein T-Shirt erstanden. Anschließend ging es ein wenig müde aber überglücklich zurück zum Hotel.
Hach ja, eine alte Burg, gutes Wetter, wunderbare Musik und
hübsche Frau im Arm, was will man mehr? Die weite
Anreise hat sich definitiv gelohnt.
Und die Karten für Köln im Herbst haben wir dann
doch noch gekauft.