Es ist jetzt schon eine ganze Weile her, dass sich Nightwish und Tarja getrennt haben. Und irgendwie hat diese Trennung beiden Seiten ganz gut getan. Nightwish haben mit „Dark Passion Play“ das beste Album seit Jahren abgeliefert und haben mit Anette eine interessante neue Sängerin gefunden, die aber ganz anders als Tarja ist.
Und Tarja selbst? Auf den letzten Nightwish Platten klang sie manchmal etwas lustlos, aber auf ihrer neuen Solo Platte „My Winterstorm“ zieht sie endlich wieder alle Register. Die Platte ist schön variantenreich und geht gut ins Ohr. Und jetzt ist sie angetreten, um zu beweisen, dass sie auch live etwas auf die Beine stellen kann.
Eine knappe halbe Stunde nach Einlassbeginn kam ich an der
Live Music Hall an und reihte mich in die kleine
Warteschlange ein. Zum Glück ging es relativ schnell
voran und bald befand ich mich wieder im warmen. Die Halle
war bereits sehr gut gefüllt, aber das Publikum stand
noch relativ locker verteilt und so konnte ich mich noch
bis ins vordere Drittel durchschlängeln.
Beim Publikum fiel mir auf, dass auch relativ viele
ältere Leute da waren, also zumindest älter als
ich und das will schon was heißen.
Liegt es
an der hübschen Optik von Tarja, oder eher an den
anspruchsvolleren klassischen Einflüssen? Keine
Ahnung, war auch egal, die Stimmung war jedenfalls schonmal
gut und alle warteten freudig, gespannt auf das Konzert.
Gegen 20 Uhr legte die Vorband Delain los. Dabei handelte
es sich um eine melodische Metalband mit leichten Gothic
Einflüssen mit weiblichem Gesang. Sie kamen aus
Holland und bewegten sich auch ein wenig in der Tradition
solcher Bands wie After Forever (nur nicht so hart), Within
Temptation (nur nicht so bombastisch und nicht so ein hoher
Gesang). Am ehesten würde ich sie noch mit Edenbridge
vergleichen, aber die sind ja wieder nicht aus Holland.
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Mir hat die Musik jedenfalls sehr gut gefallen. Die
Melodien haben gut funktioniert und ich hab mich schonmal
ein wenig warm gebangt.
Die
Sängerin hatte eine angenehme Stimme, nicht zu hoch.
Bei den Balladen kam sie sehr gut zur Geltung. Bei den
härteren Stücken war sie leider etwas zu leise
abgemischt und ging manchmal ein bisschen unter den
Gitarren unter. Bei ein paar Liedern hat auch der Gitarrist
ein wenig gesungen oder gegrunzt. Mit Sicherheit haben sie
„Frozen“, „Silhouette of a dancer“,
„The gathering“ und „Sleepwalkers
dream“ gespielt, an die anderen Titel kann ich mich
nicht mehr erinnern.
Definitiv eine der besseren Vorbands, leider haben sie nur eine halbe Stunde gespielt. Die anschließende Umbaupause dauerte bis kurz nach 21 Uhr.
Als Intro gab es ein sehr seltsames, elektronisches
Soundgewitter mit wummerndem Bass und
„Waaaooowaaaooo“ Effekten. Das erste Lied war
ein ruhigeres, aber ich kann mich absolut nicht mehr dran
erinnern, welches es war. Tjaja, das Alter.

Als zweites ging es mit „Lost northern star“
richtig zur Sache.
Kommt wirklich gut live.
Anschließend hat Tarja erstmal das Publikum
begrüßt und das Motto des Abends bekannt
gegeben:„A bit of rock, a bit of pop and a lot of
'Passion and the Opera'!“

Die Band bot eine interessante Zusammenstellung. Da gab es auf der linken Seite eine junge Frau am Keyboard, die Tarjas jüngere Schwester hätte sein können. Die Dame hat auch ein wenig Backgroundgesang übernommen. Hinter ihr standen ein paar Trommeln herum, die bei einigen Liedern von Tarjas Bruder bearbeitet wurden. Bei anderen Liedern griff er aber auch zur akustischen Gitarre. Neben ihm saßen zwei Jungs mit Cellos, die für einen abgerundeten Sound sorgten. Auf der rechten Seite stand auf einem recht hohen Podest das eigentliche Schlagzeug. Dahinter saß mit Mike Terrana ein alter Bekannter, der gewohnt routiniert die Taktstöcke zwirbelte.

Der dunkelhäutige Mann am Bass mit den
Rastazöpfen konnte ein ziemliches Tier sein und das
meine ich durchaus positiv.
Ganz rechts
stand der Mann mit der E-Gitarre (wie ich hörte
normalerweise bei den Farmer Boys beschäftigt), der
seltsamerweise meist seitlich zum Publikum stand.

Musikalisch wurde eigentlich fast alles von der neuen CD geboten, leider hab ich die Titel noch nicht ganz so gut im Kopf aber bei „The reign“, „The escape of the doll“, „Damned and divine“, „Die alive“, „My little phoenix“, „Boy and the ghost“ und „Sing for me“ bin ich mir sicher. Ich glaube aber, sie hat auch „Oasis“, „Ciarán's well“ und „Minor heaven“ gespielt.
Tarja selbst war ziemlich gut drauf, auch wenn sie bei den
Ansagen etwas verkampft wirkte. Aber ich war ja auch nicht
für die Ansagen da. Und den Gesang hat sie wieder sehr
gut hinbekommen. Bei zwei Liedern hat sie sich sogar selbst
ans Keyboard gesetzt und gespielt. Eins davon war
„You would have loved this“, das ich vorher
noch nicht kannte, das mir aber sehr gut gefallen hat. Das
Lied hat live echte Gänsehaut Qualitäten.

Ein paar Mal ist Tarja zwischen den Liedern einfach von der
Bühne verschwunden, was etwas irritierend war.
Manchmal hat sie sich dabei umgezogen, manchmal war sie
aber auch einfach nur so weg. Die Band hat die Zeit aber
gut überbrückt und besonders in einem
Instrumentalteil hat der Bassist wirklich die Sau
rausgelassen und ordentlich für Stimmung gesorgt.
Tarjas Kleidung war wieder sehr vielseitig, von der schwarzen Ledekombi zu Beginn bis hin zu dem weißen Kleid zum Finale war einiges dabei. Und natürlich gab es auch immer den farblich passenden Mikrofonständer und das passende Mikrofon. Wobei ich mir garnicht sicher bin, ob sie die großen Mikros überhaupt gebraucht hat. Sie trug nämlich auch die ganze Zeit so ein kleines Musicalmikrofon an der Wange, das auch bei den Stücken bei denen sie Keyboard gespielt hat zum Einsatz kam.

Mit „Walking in the air“ gab es zwischendurch
einen weiteren Klassiker zu hören, der aber dezent
überarbeitet wurde und mit neuem Percussion Teil
richtig groovig war. Hat mir gefallen.
„Phantom
of the opera“ wurde ordentlich bejubelt und Tarjas
Bruder übernahm den männlichen Gesangspart.
Stilecht mit Maske.
Garnicht
schlecht, er ist stimmlich Marco sehr ähnlich, er hat
nur nicht ganz so viel Härte in der Stimme. Hat auf
jeden Fall gut funktioniert.
Als letztes Stück vor der Zugabe wurde
„Poison“ abgefeiert und dass Tarja sich einmal
kurz im Text verirrt hat, ist kaum aufgefallen.

Die Zugabe wurde mit ein paar wohl bekannten Pianoklängen eingeleitet und „Nemo“ wurde stürmisch gefeiert. Wie zu erwarten war, gab es auch noch „Ite, missa est“ und „I walk alone“. Klar, die Single kann man ja nicht auslassen und das Lied ist ein echter Ohrwurm. Mit „Calling Grace“ ging das Konzert unplugged und ein wenig besinnlich zu Ende.
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Zur Verabschiedung kam noch einmal die ganze Band auf die
Bühne und Tarja hat alle noch einmal persönlich
geknuddelt. Also die Band, nicht das Publikum.
Alles in allem war es ein wunderschöner Abend. Die Stimmung war grandios und Tarja mit neuer Band und neuen Liedern funktioniert wunderbar. Mir hat es sehr gut gefallen. Nächstes Jahr will sie wiederkommen und wenn ich es irgendwie einrichten kann, werde ich wohl auch wieder dabei sein.

