Eigentlich kenne ich Fury in the Slaughterhouse schon seit der Pure Live CD, das muss irgendwann in den frühen 90ern gewesen sein. Live hab ich sie leider bisher nur einmal erlebt, damals, beim Festival am Fühlinger See, bei dem sie Opener und Headliner zugleich waren, also tatsächlich zweimal auf der Bühne standen. Danach hat es zeitlich leider nie geklappt. Als ich aber erfahren habe, dass sie sich auflösen wollen, musste ich mir unbedingt eine Eintrittskarte besorgen. Letzte Chance und dann auch noch eine Greatest Hits Tour? Da bin ich dabei!
Die Fahrt zum Palladium war mal wieder abenteuerlich,
allein für die ersten 2 Ampeln hab ich schon fast 20
Minuten gebraucht, zum Glück löste sich der Stau
danach halbwegs auf und ich war doch noch recht
pünktlich um 18:45 Uhr da. Der Parkplatz war noch
erstaunlich leer. Aber ich habe erfreut festgestellt, dass
der Seitenstreifen zu „richtigen“ Parkbuchten
ausgebaut wurde in letzter Zeit, damit passen wenigstens
ein paar Autos mehr in die Nähe der Halle.
Obwohl
sehr wenig Autos da waren, war die Schlange vor der Halle
schon sehr lang, länger als beim Runrig Konzert. Aber
von eben jenem Konzert wusste ich ja schon, dass sich die
Menge in der Halle recht gut verläuft, also kein Grund
zur Panik.
Der Einlass begann tatsächlich 5 Minuten zu früh,
das ist mir auch noch nicht passiert, war mir aber sehr
recht. Für April war es doch noch ein bisschen
kühl draußen.
Ich
gönnte mir noch ein Würstchen im Brötchen
und betrat damit dann den Konzertsaal. Dort konnte ich mich
problemlos bis ungefähr in die fünfte Reihe vor
dem Steg schlängeln. Ja, richtig, es gab einen Steg,
der von der Bühne ein Stück weit ins Publikum
ragte. Und ich stand schön mittig davor und hatte
beste Sicht auf die Bühne.
Auf der Eintrittskarte stand sehr schön „Beginn:
Pünktlich“ und sie haben sich tatsächlich
daran gehalten.
Um 20 Uhr betrat einer der Fury,
wenn ich mich recht erinnere, war es Thorsten, die
Bühne und erklärte uns die Lage. Dass Kai sich
das Knie zerdeppert hatte, konnte man ja schon auf der
Homepage lesen. Zum Glück hat er aber einen
fähigen Kölner Arzt gefunden, der das Bein wieder
so zusammengeschraubt hat, dass er auftreten konnte. Er
konnte sogar im „Dean Martin Gang“ über
die Bühne wandern und wenn er wollte auch schneller
gehen. Springen ging nicht, aber wir waren alle froh, dass
er noch singen konnte.
Der zweite
Krankheitsfall betraf die Vorband, hier mußte sich
der Sänger gleich an beiden Augen operieren lassen.
Und auch wenn Thorsten rumalberte, dass Stevie Wonder schon
immer so auftritt, konnte die Vorband unter diesen
Umständen natürlich nicht spielen. Als Ersatz
haben sie eine kleine All-Star Band gebastelt, bestehend
aus Teilen von Fury und Teilen der Vorband mit Schulz an
der Akustikgitarre und am Gesang. Der Man spielt
Deutschrock, irgendwo zwischen Liedermacher und
Alternative. Hat sehr gut zu Fury gepasst und mir
persönlich sehr gut gefallen.
Eröffnet hat er mit „Ich“ und danach
folgten sowohl rockige als auch ruhige Nummern zu den
verschiedensten Themen, natürlich auch ein paar
Beziehungssongs. Das letzte Lied war
„Supermann“, dass er seinem 4-jährigen
Sohn Elvis gewidmet hat. Das Publikum durfte dann auch
einmal laut „Elivs!“ rufen, ich hoffe der
kleine freut sich, wenn er das sieht.
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A propos sehen, im Palladium waren einige Kameras
verstreut, denn das Konzert wurde für die kommende
Live DVD aufgezeichnet. Im Laufe des Abends rauschte der
Kamerakran ein paar Mal bedrohlich nah über meinen
Kopf hinweg.
Nach einer halben Stunde war dann
leider schon wieder Schluss mit der improvisierten Vorband
und nach einer kurzen Umbaupause, unterlegt von Hayseed
Dixe, wurde es ernst.
Als Konzertintro flimmerten ein paar
„historische“ Filmdokumente von Fury über
den Vorhang und es erklang das etwas melancholische
„It's A Long Way To The Top If You Wanna
Rock'n'Roll“. Danach ging es mit „Cut Myself
Into Pieces“ und „Hang The DJ“ auch
gleich in die Vollen.
Den treuen Fans wurde „Hello
And Goodbye“ gewidmet und mit „Radio
Orchid“ gab es den ersten großen
Gänsehautmomente des Abends. Kai wanderte bei dem Lied
über seine Showtreppe hinunter direkt ins Publikum,
lief ein paar Meter rechts an mir vorbei und verschwand
singend irgendwo in der Menge.
Rechtzeitig
zum nächsten Lied war er aber wieder auf der
Bühne.
Dieses Lied war dann auch mein
Ohrwurm des Tages, der mich eigentlich schon seit dem
Frühstück verfolgte.: „Jericho“
Es folgten „Then She Said“, „Dancing In
The Sunshine Of The Dark“ und „Should Have
Known Better“. Danach wanderte die komplette Band
hinunter ins Publikum. Und blieb fast direkt neben mir
stehen, weil sie nah bei dem Kamerakran bleiben wollten.
Das Publikum setzte sich hin, damit alle ein bisschen was
sehen konnten und die Band spielte „One Good
Reason“ und „Bring Me Home“ mitten im
Publikum. Ich kenne sonst keine Band die das macht.
Schon ein cooles Gefühl, wenn sich Musiker und
Zuschauer so auf einer Ebene befinden und wirklich zusammen
Spaß haben.
Während wir weiter
„Bring Me Home“ sangen ging die Band
zurück zur Bühne.
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Mit leicht manischem Blick leitete Gero am Akkordeon
„On Alarm“ ein. Schöne Rocknummer.
Danach kam „Are You Real“ und mit „Every
Generation Got Its Own Disease“ Kais
persönliches Lieblingslied, weil es wohl immer
irgendwie aktuell sein wird. Außerdem war es mein
zweiter großer Gänsehautmoment des Abends.
Zu „Trapped Today, Trapped Tomorrow“ gab es die
nette Anektdote von der damals gepressten Single, auf der
sich nicht Fury befand, sondern die größten Hits
von Boney M.
Die Jungs träumen immer noch
davon, dass dafür auf irgendwelchen Boney M CDs nur
„Trapped Today, Trapped Tomorrow“ zu hören
ist.
„Haunted Head And Heart“ haben sie für
Pünktchen gespielt und danach folgte die
Kuschelballade „Cry It Out“.
Bei
„Milk And Honey“ und „When I'm Dead And
Gone“ war dann wieder richtig Partystimmung angesagt.
Aber das Winken bei letzterem ging doch ziemlich auf die
Arme. Ich werd wohl doch alt.
Mit
„Time To Wonder“ endete der Hauptteil des
Konzerts mit einem weiteren Gänsehautmoment.
In der kleinen Pause vor der Zugabe dachte ich darüber
nach, welche Lieder mir denn noch fehlten und kam dabei auf
„Kick It Out“, was auch das erste Lied der
Zugabe war.
Mit „Riding On A Dead
Horse“ folgte ein Song, der schon vorher vehement vom
Publikum gefordert wurde. „Won't Forget These
Days“ schloss die erste Zugabe ab. Dieses Lied hatte
ich eigentlich ganz am Ende erwartet, trifft es doch
ziemlich gut die Stimmung dieses Abends... Als besonderer
Gaststar kam zu diesem Lied noch Wolfgang Niedecken auf die
Bühne und hat ein wenig mitmusiziert.
Als zweite Zugabe wurde uns noch „Come On“
geboten und ein wunderschönes „Down There“
mit Sternenhimmel auf der Bühne und dutzenden von
leuchtenden Handy- und Digicamdisplays im Publikum.
Sehr romantisch. Danach schloss sich auch leider schon der
Vorhang.
Trotzdem kamen die Jungs noch ein letztes
Mal auf die Bühne und gaben uns mit „Seconds To
Fall“ noch einen akustischen Rausschmeisser. Wow, was
für ein Konzert!
Die Band war wirklich sehr gut drauf, trotz des kaputten Knies. Das Publikum hat richtig gut gefeiert und getanzt, die ganze Stimmung war wirklich sehr schön. Auch sehr gelungen war die Bühnenshow, die Beleuchtung war sehr stimmungsvoll und gelungen.
Auf dem Weg auf der Halle hab ich mir dann noch ein
„Radio Orchid“ T-Shirt gegönnt.
Außerdem hab ich mir meinen USB Stick abgeholt, den
ich schon vor dem Konzert reserviert hatte. Das war
wirklich neu, man konnte sofort nach dem Konzert, das
komplette Konzert in mp3 Form kaufen. Allerdings fehlten
auf dem Stick noch die Zugaben, die konnte man einen Tag
später mit einem Code aus dem Internet laden. Aber das
ist wirklich mal etwas besonderes, das gerade eben
gehörte Konzert zu Hause direkt noch einmal hören
zu können.
Und bald gibt es ja auch noch die
DVD.
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Wirklich sehr schade, dass sich diese großartige Band bald auflösen wird. Live sind die Furys wirklich ein Erlebnis.
Vielen Dank, für dieses würdiges Abschlusskonzert.