Am ersten Tag stand uns natürlich erstmal der weite Weg vom Niederrhein nach Bingen bevor. Um die Zeit optimal zu nutzen, beschlossen wir den einen oder anderen Zwischenhalt im Raum Koblenz einzulegen und die Burgen in der Gegend abzugrasen. Als wir Koblenz erreichten fing es leicht zu regnen an, aber im Laufe des Tages wurde das Wetter immer besser, ab dem Mittagessen schien sogar die Sonne. :))
Erster Halt auf unserer Tour war die Feste Ehrenbreitstein. Vom Rheinufer
fährt eine Sesselbahn zur Feste hoch, die wir jedoch nicht
benutzten. Stattdessen parkten wir hinter der Feste auf einem kostenlosen
Parkstreifen. Von dort wanderten
wir einen schönen Fußweg durch den Wald zur Feste hoch.
Der Eintrittspreis war mit 60 Cent (für Studenten) sehr moderat, dafür gab's aber auch nicht sooo viel zu sehen. Aus der Ferne wirkt die Festungsanlage recht beeindruckend, aus der Nähe ist sie eher langweilig. Große leere Höfe, dicke, schmucklose Mauern und viel mehr auch nicht.
Eine Kunstausstellung konnte ohne Aufpreis besichtigt werden, die aber
thematisch nix mit der Feste zu tun hatte,
ansonsten aber ganz nett war. Eine historische Ausstellung
war auch vorhanden, die aber ebenfalls nichts mit der Feste zu tun hatte
und zusätzlichen Eintritt gekostet hätte, weswegen wir sie uns
nicht angesehen haben.
Außerdem gab's eine kleine Ausstellung zur Festung, aber
außer einer alten Kanone und ein paar Bildern war hier nicht viel
zu sehen. Führungen waren (gegen Aufpreis) möglich und
hätten vermutlich etwas mehr zum Innenleben der Feste offenbart,
aber da die Feste weniger mittelalterlich und eher neuzeitlich ist, waren
diese nicht besonders reizvoll für uns.
Stattdessen haben wir lieber ein wenig die Aussicht
genossen. Man hat einen fantastischen Blick über den Rhein,
über Koblenz und über das deutsche Eck mit seiner Reiterstatue.
Weil es mittlerweile schon 13 Uhr war, beschlossen wir im Restaurant der Feste eine Mahlzeit einzunehmen. Die Preise hier waren trotz der exklusiven Lage noch erträglich, das Essen sehr reichlich und sehr lecker, kann man durchaus empfehlen.
Als zweiter Halt stand Burg Lahneck auf dem Plan. Zu dieser kann man zum
Glück ein ganzes Stückchen den Berg rauf
fahren. Hier gibt es sogar einen großen Parkplatz, was sonst eher
selten und aufgrund der Lage der meisten Burgen auch nicht möglich
ist. Aber diese Burg hat nur auf drei Seiten einen Abhang, auf der
vierten Seite (oder eher Ecke) befindet sich eine größere
Freifläche mit Campinglatz, der aber durch ein kleines Wäldchen
von der Burg getrennt wird. Vom Parkplatz aus
muss
man zum Glück nicht über den Platz, sondern kann eine kleine,
schnuckelige Straße am Berg entlang durch den Wald gehen.
Die Burg selbst gehört zwar nicht zu den größten,
dafür aber definitiv zu den hübschesten. Leider kommt man nicht
einfach so in die Burg hinein, sondern muss an einer Führung
teilnehmen, selbst wenn man nur den Innenhof sehen will. "Oh, nein, eine
knappe Stunde gepflegte Langeweile mit
uninteressanten
historischen Daten!" dachten wir zunächst. Ganz so schlimm sollte es
aber zum Glück nicht kommen. ;)
Bis zur nächsten Führung war noch eine Viertelstunde Zeit, also haben wir uns ein wenig umgesehen. Das kleine Café auf der Felsspitze vor der Burg hat uns weniger gereizt, denn hier bezahlt man die Aussicht gleich mit, außerdem waren wir vom Mittagessen noch satt. Wunderschön war mal wieder der Blick auf den Rhein. Von der gegenüberliegenden Rheinseite leuchtete uns die gelb getünchte Fassade von Schloss Stolzenfels entgegen. Ein Besuch dieses Schlosses sollte aber erst am letzten Tag unserer Tour erfolgen.
Um 14 Uhr ging's endlich los, wir wurden gegen ein kleines Entgelt durch
das Burgtor eingelassen und bekamen endlich die Burg
in ihrer vollen Schönheit zu Gesicht. Wir betraten zunächst
einen kleinen Vorhof. Hier hatten wir ein paar Minuten Zeit uns
umzusehen, dann ging's über eine Brücke und durch das
Eingangstor in den eigentlichen Burghof.
Die Tour selbst war zum Glück nicht so trocken und langweilig wie
befürchtet, sondern im Gegenteil sehr unterhaltsam. Unser
Führer beschränkte sich auf ein paar interessante Details. So
demonstrierte er den äußerst komplizierten
Schließmechanismus einer alten Truhe und flocht immer wieder
Sprichworte in seinen Vortrag ein und erklärte ihre Herkunft. Zu
sehen gab's eine mittelalterliche Küche, ein Verließ, die
Kapelle, die bei dieser Burg sehr groß ausfiel, sowie einige
Räume des Pallas (Hauptgebäude). Grade in diesen Räumen
trat der mittelalterliche Aspekt mitunter in den Hintergrund, dafür
wurde ein bunter Mix verschiedenster Epochen gezeigt. Insgesamt sehr
interessant und sehenswert.
Nach dem Rundgang durften wir auf den Bergfried klettern, den
höchsten Turm der Burg. Die Aussicht war recht nett, aber die sehr
hohen Zinnen ermöglichten
nur einen
eingeschränkten Ausblick durch ein paar Lücken. Den laaangen
Weg hinauf und besonders hinunter über die unregelmäßige
Wendeltreppe haben wir etwas unterschätzt. Beim Abstieg waren wir
recht schnell unterwegs und im Burghof angekommen protestierten unsere
Beinmuskeln gegen die ungewohnte Belastung. (Wer hat zu Hause schon
Wendeltreppen?) Leider war dies auch der einzige Bergfried, den wir auf
unserer Tour erklimmen durften.
Alles in allem ist Burg Lahneck definitiv unser Geheimtipp der Burgentour.
Dritter und letzter Halt am ersten Tag war die Marksburg, Sitz der
deutschen Burgengesellschaft und damit wohl kein Geheimtipp mehr.
Trotzdem, oder gerade deswegen sollte man diese Burg gesehen haben.
Aber schön der Reihe nach.
Schon bei der Anfahrt war zu sehen, dass die Burg gerade renoviert wird.
Der komplette Bergfried war zu dieser Zeit in ein Gerüst
eingekleidet, was die Burg leider nicht so fotogen machte, wie sie es
normalerweise ist. Zur Burg hoch führt eine kleine schmale
Straße, auf der uns zum Glück kein Auto entgegenkam. Knapp
unterhalb der Burg gibt es
überraschenderweise einen sehr großen Parkplatz. Eigentlich
sollte der auch Parkgebühren kosten, aber die Dame an der Einfahrt
machte weder beim Rein- noch beim Rausfahren Anstalten Geld zu kassieren.
Na ja, uns hat es nicht wirklich gestört. :))
Auch diese Burg kann man nur im Rahmen einer Führung betreten. Die
startete mit leichter Verspätung und war zu Beginn fürchterlich
langweilig. Anhand von einem halben dutzend Wappen wurden wir über die
früheren und heutigen Besitzverhältnisse der Burg
aufgeklärt. *gähn* Aber je länger die Führung
dauerte,
desto interessanter wurde es. Die Burg ist
komplett im mittelalterlichen Stil eingerichtet und es gibt viele, viele
Räume zu sehen und viel zu lernen. Faszinierend an der Burg ist
auch, wie der vorhandene Platz ausgenutzt wurde und im Laufe der
Jahrhunderte noch mehrere zusätzliche Gebäude in den Innenhof
gebaut wurden. Dadurch ist der Hof kaum noch vorhanden und die Burg sehr
verwinkelt. Bei einem der Gänge durfte man nicht zu wohlgenährt
sein, es bestand die Gefahr stecken zu bleiben. :))
Alles aufzuzählen, was es hier zu sehen gab, würde zu lange dauern. Wer mal in der Nähe der Marksburg ist und ein Stündchen Zeit hat, sollte sich eine Führung gönnen, eine mittelalterlichere Burg als diese gibt es wohl nicht!
Nach diesen drei Burgen wurde es langsam Zeit die letzte Reiseetappe in Angriff zu nehmen, schließlich wollten wir nicht erst spät in der Nacht in unser Zimmer einchecken. Gegen 18 Uhr erreichten wir Bingen, wo wir ein kleines Doppelzimmer reserviert hatten, das privat vermietet wurde. Im gleichen Haus gab es auch noch ein Einzelzimmer, das aber zu der Zeit nicht belegt war. Dadurch hatten wir den dritten Stock komplett für uns. Das Zimmer war klein, aber sehr gemütlich, mit Doppelbett, einem kleinen Tisch mit zwei Stühlen, einem Schrank, einem Waschbecken und einem kleinen Fernseher mit Kabelanschluss. Das Klo war über den Flur zu erreichen und im Keller stand uns eine Dusche zur Verfügung. Alles sehr schön und für unsere Zwecke mehr als ausreichend.
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